Kostendruck in der Pflege: Warum Sparen allein keine Entlastung schafft
Der Kostendruck im Schweizer Gesundheitswesen bleibt hoch.
Pflegeeinrichtungen, Spitäler, Spitex-Organisationen und Praxen stehen vor der gleichen Grundfrage: Wie lassen sich Leistungen sichern, wenn Budgets knapp sind, Personal fehlt und der administrative Aufwand weiter zunimmt?
Sparen wirkt in dieser Lage naheliegend. Weniger Zusatzschichten, weniger externe Unterstützung, schlankere Prozesse, strengere Budgetkontrolle. Kurzfristig kann das Zahlen entlasten. Im Pflegealltag löst es das Problem aber selten.
Denn Pflege lässt sich nicht beliebig verdichten.
Wenn Aufgaben, Verantwortung und Personalbedarf nicht zusammenpassen, verschiebt sich der Druck nur. Er landet bei den Teams, in der Dienstplanung, in Überstunden, in kurzfristigem Einspringen und in der Frage, welche Arbeiten noch mit der nötigen Sorgfalt erledigt werden können.

Kostendruck ist mehr als eine Budgetfrage
Kostendruck wird oft betriebswirtschaftlich beschrieben. Die Ausgaben steigen, die Finanzierung bleibt angespannt, Tarife und Restfinanzierung decken den Aufwand nicht immer ausreichend ab.
Für Pflegeleitungen, HR-Verantwortliche und Geschäftsführungen ist Kostendruck aber konkreter.
Er zeigt sich, wenn offene Stellen nicht rasch besetzt werden können. Wenn ein Team Ausfälle über Wochen intern auffängt. Wenn geplante Erholung ausfällt, weil wieder jemand einspringen muss. Wenn administrative Aufgaben zunehmen, aber keine Zeit dafür eingeplant ist. Oder wenn notwendige Entlastung verschoben wird, weil sie kurzfristig zu teuer wirkt.
Dann ist Kostendruck nicht nur eine Zahl. Er wird zu einem Organisationsproblem.
Die Regulierungsfolgenabschätzung zum Bundesgesetz über Arbeitsbedingungen in der Pflege hält fest, dass bessere Arbeitsbedingungen Mehrkosten verursachen können und dass deren Finanzierung nicht direkt in der Vorlage geregelt ist.1 Genau hier beginnt der Zielkonflikt: Der Bedarf an Entlastung ist real, die Finanzierung bleibt aber oft der kritischste Punkt.
Reines Sparen kann Folgekosten erzeugen
In der Pflege ist Personal nicht einfach ein Kostenblock. Personal ist die Voraussetzung dafür, dass Versorgung überhaupt funktioniert.
Wenn Betriebe zu stark über Einsparungen steuern, entstehen an anderer Stelle neue Kosten. Überstunden müssen kompensiert oder bezahlt werden. Belastete Teams werden krankheitsanfälliger. Fluktuation nimmt zu. Neue Mitarbeitende müssen gesucht, eingeführt und begleitet werden. Und wenn Dienste kurzfristig offen bleiben, braucht es häufig besonders schnelle und damit anspruchsvolle Ersatzlösungen.
Das bedeutet nicht, dass jede Ausgabe richtig ist.
Es bedeutet aber: Eine Massnahme ist nicht automatisch wirtschaftlich, nur weil sie kurzfristig Kosten reduziert.
Das Obsan-Pflegemonitoring zeigt, dass Absenzen durch Krankheit und Unfall im Pflege- und Betreuungsbereich ein relevanter Indikator für die Belastung von Personal und Organisation sind.2 Wenn Sparmassnahmen zu höherer Belastung führen, können sie Folgekosten verstärken, statt sie zu senken.
Wirtschaftlichkeit in der Pflege muss deshalb fragen, ob eine Entscheidung den Betrieb stabilisiert oder ob sie den Druck nur in den nächsten Monat verschiebt.

Effizienz beginnt bei Reibungsverlusten
Wenn Pflegeeinrichtungen über Effizienz sprechen, sollte es nicht darum gehen, noch mehr Arbeit in die gleiche Schicht zu pressen.
Sinnvolle Effizienz beginnt dort, wo Fachpersonen heute Zeit verlieren:
- unklare Zuständigkeiten
- doppelte Dokumentation
- lange Suchwege für Material oder Informationen
- nicht abgestimmte Schnittstellen zwischen Berufsgruppen
- kurzfristige Dienstplanänderungen
- zu wenig strukturierte Einführung neuer Mitarbeitender
- Systeme, die im Alltag mehr Aufwand schaffen als Nutzen bringen
Solche Reibungsverluste kosten Zeit, Energie und Konzentration. Wenn sie reduziert werden, entsteht echte Entlastung. Nicht, weil Pflege schneller abgearbeitet wird, sondern weil weniger Kraft in Umwege, Korrekturen und Improvisation fliesst.
Effizienz darf in der Pflege deshalb nicht mit Verdichtung verwechselt werden. Gute Effizienz schützt Arbeitszeit, Aufmerksamkeit und Qualität.

Digitalisierung hilft nur, wenn sie Arbeit wirklich reduziert
Digitalisierung wird zunehmend als Antwort auf Kostendruck und Personalmangel diskutiert. Das ist nachvollziehbar.
Digitale Systeme können Prozesse vereinfachen, Informationen besser verfügbar machen und Planung unterstützen. Die Strategie eHealth Schweiz 2.0 verfolgte genau dieses Ziel: die Digitalisierung im Gesundheitswesen gezielt voranzutreiben, unter anderem zur Verbesserung von Behandlungsqualität, Patientensicherheit und Versorgungseffizienz.3
Aber Digitalisierung ist kein Selbstzweck.
Ein neues Tool entlastet nur, wenn es im Alltag funktioniert. Wenn es Dokumentation vereinfacht, statt sie zu verdoppeln. Wenn es Schnittstellen klärt, statt neue Medienbrüche zu schaffen. Wenn Mitarbeitende geschult werden und genug Zeit haben, neue Prozesse sicher anzuwenden.
Das elektronische Patientendossier soll Gesundheitsinformationen sicher zugänglich machen und die Vernetzung zwischen Akteurinnen und Akteuren im Gesundheitswesen verbessern.4 Solche Systeme entfalten ihren Nutzen aber nur, wenn sie in klare Prozesse eingebettet sind.
Gerade in der Pflege entscheidet nicht die technische Möglichkeit, sondern der praktische Nutzen in der Schicht.
Wer Digitalisierung als reine Sparmassnahme einführt, riskiert zusätzliche Belastung. Wer sie als Teil einer realistischen Prozessverbesserung versteht, kann Teams tatsächlich entlasten.

Personalplanung bleibt der kritische Punkt
Auch die beste Prozessoptimierung ersetzt keine passende Besetzung.
Wenn dauerhaft zu wenig qualifiziertes Personal vorhanden ist, werden digitale Systeme und schlanke Abläufe nur begrenzt helfen. Dann bleibt der Druck im Dienstplan bestehen.
Entscheidend ist deshalb eine Personalplanung, die kurzfristige und langfristige Fragen zusammen denkt:
- Welche Funktionen müssen pro Schicht sicher abgedeckt sein?
- Wo braucht es zwingend bestimmte Qualifikationen oder Erfahrung?
- Welche Ausfälle kann das Stammteam realistisch auffangen?
- Ab wann führen Überstunden zu neuer Belastung?
- Welche Engpässe sind planbar, welche nicht?
- Wann ist externe Unterstützung sinnvoller als weiteres internes Einspringen?
Diese Fragen sind nicht nur organisatorisch. Sie sind wirtschaftlich.
Die RFA zum BGAP nennt wechselnde Arbeitszeiten, Nacht- und Wochenenddienste, kurzfristige Arbeitseinsätze sowie hohe Arbeitslast durch geringe Personalausstattung als zentrale Belastungsfaktoren.1 Genau diese Punkte hängen eng mit Personalplanung zusammen.
Ungeplante Lücken kosten oft mehr als eine frühzeitig gesteuerte Personalreserve. Sie kosten nicht nur Geld, sondern auch Stabilität im Team.
Temporärpersonal ist nicht automatisch teuer oder günstig
Temporärpersonal wird in Kostendiskussionen oft verkürzt betrachtet. Manchmal gilt es als teure Notlösung. Manchmal als schnelle Entlastung.
Beides kann stimmen, je nachdem, wie es eingesetzt wird.
Problematisch wird temporäre Abdeckung, wenn sie dauerhaft strukturelle Lücken ersetzt. Dann wird sie zum Symptom einer Personalplanung, die nicht mehr genügend Stabilität hat.
Sinnvoll kann sie sein, wenn sie gezielt eingesetzt wird: bei Krankheitsausfällen, Vakanzen, saisonalen Spitzen, Spezialbereichen oder klar befristeten Belastungssituationen.
Der ZHAW-Praxisreport 2025 zu Temporärarbeit in der Pflege beschreibt temporäre Einsätze als zusätzlichen Baustein der Personalkapazitäten, etwa bei kurzfristigen Ausfällen, saisonalen Schwankungen oder zur Überbrückung von Vakanzen.5 Gleichzeitig betont der Bericht, dass Temporärarbeit strategisch und operativ geplant sowie in Teamkultur und Prozesse eingebettet werden sollte.5
Der Unterschied liegt also in der Vorbereitung.
Fachliche Anforderungen, Aufgaben, Verantwortlichkeiten, Einsatzdauer, Einführung und Ansprechpersonen müssen geklärt sein. Dann kann eine externe Fachperson das Stammteam entlasten, statt zusätzliche Reibung zu erzeugen.

Entlastung braucht Priorisierung
Pflegeeinrichtungen können nicht jede strukturelle Ursache von Kostendruck selbst lösen. Finanzierung, Tarife, politische Vorgaben und demografische Entwicklung liegen nur teilweise in ihrer Hand.
Trotzdem haben Betriebe Einfluss darauf, wie der Druck intern verarbeitet wird.
Wichtig ist, nicht jede Kostenfrage gleich zu behandeln. Es gibt Ausgaben, die nur kurzfristig belasten. Und es gibt Investitionen, die Folgekosten senken können, weil sie Teams stabilisieren, Fluktuation reduzieren oder Abläufe verbessern.
Dazu gehören klare Prozesse, realistische Dienstplanung, verlässliche Einführung, gute Führung, passende digitale Werkzeuge und gezielte externe Unterstützung dort, wo interne Reserven nicht ausreichen.
Sparen allein schafft keine Entlastung, wenn es die gleiche Arbeit auf weniger Schultern verteilt.
Entlastung entsteht dort, wo Betriebe unterscheiden: Was ist unnötiger Aufwand? Was ist unverzichtbare Versorgung? Was ist kurzfristig teuer, aber langfristig stabilisierend?
Der eigentliche Kostenfehler
Der eigentliche Kostenfehler liegt darin, Personalkosten isoliert zu betrachten.
In der Pflege sind Personal, Prozesse und Qualität miteinander verbunden. Wenn an einer Stelle zu stark gespart wird, entstehen an anderer Stelle neue Belastungen: mehr Überstunden, mehr Ausfälle, mehr Fluktuation, mehr Koordinationsaufwand und mehr kurzfristige Ersatzlösungen.
Ein Budget kann kurzfristig besser aussehen, während der Betrieb langfristig instabiler wird.
Deshalb braucht Kostendruck in der Pflege eine andere Logik. Nicht: Wo können wir am schnellsten kürzen? Sondern: Welche Massnahmen reduzieren Belastung, sichern Qualität und verhindern teure Folgewirkungen?
Das ist anspruchsvoller als Sparen. Aber es ist näher an der Realität des Gesundheitswesens.
Die Rolle von ICM Medical
ICM Medical kann den Kostendruck im Schweizer Gesundheitswesen nicht aufheben.
Aber ICM Medical kann Einrichtungen dort unterstützen, wo Personalengpässe fachlich sauber, persönlich und administrativ geregelt abgefedert werden müssen.
Dabei geht es nicht darum, jede Lücke reflexartig mit temporärem Personal zu füllen. Entscheidend ist die Klärung: Welche Qualifikation wird gebraucht? In welchem Setting? Für welche Dauer? Mit welchen Aufgaben? Und unter welchen Rahmenbedingungen kann eine externe Fachperson das Team wirklich entlasten?
ICM Medical prüft jede Fachperson persönlich und vermittelt nicht anonym. Wenn diese Fragen vor dem Einsatz geklärt sind, wird temporäre Unterstützung nicht zur improvisierten Notlösung, sondern zu einem gezielten Instrument in der Personalplanung.
Kostendruck verlangt wirtschaftliches Denken. In der Pflege heisst das aber nicht nur sparen. Es heisst, Belastung, Prozesse und Personal so zu steuern, dass Versorgung tragfähig bleibt.

FAQ: Kostendruck in der Pflege
Weil Pflegeleistungen an Personal, Qualifikation und Zeit gebunden sind. Werden Kosten nur reduziert, ohne Abläufe, Besetzung und Belastung mitzudenken, entstehen häufig Folgekosten durch Überstunden, Ausfälle, Fluktuation oder kurzfristige Ersatzlösungen.
Effizienz hilft dort, wo Reibungsverluste reduziert werden: bei Dokumentation, Schnittstellen, Materialwegen, Dienstplanung, Einführung, Zuständigkeiten und Kommunikation. Sie darf nicht bedeuten, dass die gleiche Arbeit einfach mit weniger Ressourcen erledigt werden soll.
Digitalisierung kann entlasten, wenn sie Prozesse vereinfacht und Informationen besser verfügbar macht. Sie kann aber auch zusätzliche Belastung erzeugen, wenn Systeme schlecht eingeführt werden oder Dokumentation verdoppeln.
Ja, wenn es gezielt eingesetzt wird und fachlich passt. Temporärpersonal ist problematisch, wenn es dauerhaft strukturelle Lücken ersetzt. Sinnvoll ist es bei klaren Engpässen, Ausfällen, Vakanzen oder befristeten Belastungssituationen.
Sie können Prozesse klären, Dienstplanung realistischer gestalten, digitale Werkzeuge kritisch einführen, Überstunden nicht zur Dauerlösung machen und externe Unterstützung frühzeitig planen, statt erst in der akuten Lücke zu reagieren.
Quellen
- BSS Volkswirtschaftliche Beratung im Auftrag von BAG und SECO: Bundesgesetz über Arbeitsbedingungen in der Pflege – Regulierungsfolgenabschätzung, Schlussbericht 2024
- Obsan: Absenzen des Pflege- und Betreuungspersonals durch Krankheit/Unfall – Pflegemonitoring
- Bundesamt für Gesundheit BAG: Strategie eHealth Schweiz 2.0
- Bundesamt für Gesundheit BAG: Elektronisches Patientendossier
- ZHAW: Temporärarbeit in der Pflege in der Schweiz – Status Quo, Herausforderungen und Handlungsempfehlungen für die Praxis, Praxisreport 2025
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ICM Medical unterstützt Spitäler, Alters- und Pflegeheime, Spitex-Organisationen, Praxen und weitere Gesundheitsbetriebe bei der Besetzung temporärer und fester Positionen. Wir klären Ihren Bedarf persönlich und suchen Fachpersonen, die zur Aufgabe und zu Ihrer Institution passen.